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Schmuck & Accessoires

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Foto: © iStockphoto.com / poco_bw

Leider ist nicht immer alles Gold, was glänzt. Das gilt auch für die Bedingungen, unter denen Edelsteine und Edelmetalle abgebaut und weiterverarbeitet werden. Eine Untersuchung der ILO in Genf kommt zu dem Ergebnis, dass rund 13 Millionen Menschen unter katastrophalen sozialen und ökologischen Bedingungen mit dem Abbau von Edelsteinen, Edelmetallen und anderen Bergbauprodukten beschäftigt sind.

Diabolisches Diamantenfieber...
Der Hollywoodfilm „Blood Diamonds“, der die Kriegsfinanzierung durch Blutdiamanten behandelt, hat im Jahr 2006 viele Menschen wachgerüttelt. Nicht Fiktion, sondern Realität sind die Vertreibung von Menschen, die in lukrativen Minengebieten leben, sowie massive Umweltschäden und schlechte Arbeitsbedingungen. Zu einem erheblichen Teil stammen die auf dem Weltmarkt gehandelten Rohdiamanten aus afrikanischen Staaten, wie der DR Kongo und Sierra Leone. Gerade diese beiden Staaten hatten massiv unter Kriegen zu leiden, die mit den eigenen Rohstoffen, darunter auch Diamanten, finanziert wurden. Die Beherrschung der Fördergebiete sowie der Handelswege wurde zu einem wichtigen Antrieb der Kampfhandlungen. Mit dem Kimberley-Abkommen von 2003 wurde versucht, den illegalen Handel mit geschmuggelten Rohdiamanten, beispielsweise aus Angola, Sierra Leone oder Liberia, zu stoppen. Zertifikate, die die Herkunft der Diamanten belegen, sollten dabei helfen. Das Manko des Abkommens sind seine vielen Lücken und die Tatsache, dass Regelverstöße zu wenig oder gar nicht geahndet werden.

Obwohl besonders die DR Kongo über große Rohstoffvorkommen von Kupfer, Kobalt, Gold, Tantal, Zink, Silber, Zinn, Germanium, Wolfram und Kohle verfügt, kommt kaum etwas von diesem Reichtum bei der Bevölkerung an. Dies liegt zum einen daran, dass lokale Gesetze häufig nicht durchgesetzt werden, zum anderen daran, dass die Weiterverarbeitung der Rohstoffe nicht in der DR Kongo stattfindet. Sowohl DR Kongo als auch Sierra Leone gehören zu den ärmsten Ländern der Welt.

Speziell in der DR Kongo ist die industrielle Diamantenförderung stark zurückgegangen. Stattdessen arbeiten nach Schätzungen rund 500.000 bis eine Million Menschen im informellen Diamantensektor. Die Arbeit in den häufig einsturzgefährdeten Tunneln ist gefährlich, in den entlegenen Gebieten fehlt in der Regel jegliche ärztliche Versorgung. Auf der anderen Seite wird es für die Schürfer problematisch, wenn internationale Konzerne in den Ausbau der Förderung investieren. Durch die modernen, maschinisierten Betriebe gehen viele Arbeitsplätze verloren. Weitere Probleme in den Diamantabbauregionen sind ausbeuterische Kinderarbeit sowie Vertreibungen und Zwangsumsiedelungen und der Verlust von Ackerflächen.

Auch bei der Weiterverarbeitung der Edelsteine herrschen teilweise prekäre Arbeitsbedingungen. Mittlerweile werden mehr als 90 Prozent aller weltweit verarbeiteten Diamanten in Indien geschliffen, während die wertvollen Steine nach wie vor in Antwerpen und Tel Aviv verarbeitet werden. Die Diamantenfabriken sind in der Regel  niedrige Gebäude mit geschlossenen Fenstern, schlechter Luftzirkulation, künstlicher Beleuchtung und Belüftung sowie vielen Überwachungskameras. Krankheiten, unter denen eine Vielzahl der Arbeiter leiden, sind Lungenprobleme, Magenbeschwerden, Gelenk- und Brustschmerzen, kleine Verletzungen, Augeninfektionen und Tuberkulose. Die Arbeiter sind in der Regel nicht versichert und haben keine Rentenansprüche. Die Löhne sind gering und im Zuge der Überkapazitäten in der Branche in den letzten Jahren noch gesunken.

...und gefährlicher Goldrausch
Bei der Gewinnung von Gold wird die Lebensgrundlage vieler Menschen zerstört. Gold wird heute meist in riesigen Minen im Tagebau abgebaut. Dafür werden nicht nur Wälder abgeholzt und der Boden von unten nach oben gedreht. Er wird außerdem mit hochgiftigen Chemikalien, vor allem Zyanid, behandelt, welches den Boden komplett zerstört und letztendlich in das Trinkwasser, Seen, Flüsse und Meere und in die Nahrungskette gelangt. Auch das Schwermetall Quecksilber wird zur Gewinnung von Gold eingesetzt. Es reichert sich im Körper an und schädigt vor allem das zentrale Nervensystem.

Die hohen Goldpreise führen derzeit dazu, dass es immer mehr Minen gibt – auch in Regionen in Afrika, in Lateinamerika und in Asien, die bislang nicht betroffen waren. Die Regierungen der Länder verabschieden häufig nicht genug Gesetze, die die Rechte der Anwohner schützen bzw. setzen diese nur unzureichend bis gar nicht durch. In Guatemala beispielsweise werden die Rechte der Naturvölker, die auf den Minengebieten leben, außen vor gelassen. Die Minen breiten sich nicht nur über riesige Flächen aus, sondern auch über heilige Stätten dieser Völker. Auch in anderen Teilen der Welt kommt es durch den Abbau von Edelmetallen zu Vertreibungen und Zwangsumsiedelungen. So wurden in Ghana für eine einzige Mine rund 10.000 Menschen für immer von ihrem Land vertrieben. 

Das oft zitierte Argument der Schaffung von Arbeitsplätzen trifft in der Regel nicht zu. Die modernen, großen Minen sind meist an der Oberfläche und beschäftigten wenige Menschen. Letztendlich sind auch hier die Arbeitsbedingungen häufig problematisch, es werden lediglich Niedriglöhne gezahlt.


Tipps für Ihre fairen Uhren und Schmuck:

  • Lassen Sie alte Schmuckstücke und andere goldlegierte Produkte umarbeiten oder recyceln.
  • Fragen Sie Ihren Juwelier nach Schmuck aus fair gehandeltem oder recyceltem Gold und Edelsteinen.
  • Verzichten Sie auf den Kauf von industriell gefertigtem Massen-Goldschmuck.
  • Die Initiative ''Fair Trade in Gems and Jewelry" setzt sich für den fairen Handel von Edelmetallen und deren umwelt- und sozialverträgliche Produktion ein. Unter dem Markenzeichen ''fair&green" wird hierbei Gold und Silber vermarktet, das mit Schwerkrafttrennung und ohne Zyanideinsatz gewonnen wurde. Quecksilber kommt bei dieser Methode nur in geschlossenen Kreisläufen zum Einsatz. 
  • Fairen Schmuck bieten in Deutschland mittlerweile eine Reihe von Goldschmieden und Juwelieren, viele Weltläden und regionale Fair-Handelszentren an. Des Weiteren findet man öko-fairen Schmuck in Dritte Welt-Shops oder beim Eine-Welt-Team-Versand.
  • Adressen und weitere Informationen über fairen Schmuck finden Interessierte unter http://www.gepa.de/, http://www.faire-edelsteine.de/ oder unter www.oeko-fair.de.
  • Sprechen Sie im Juweliergeschäft über die sozialen und Umweltprobleme bei der Goldförderung und weisen Sie auf die Möglichkeit hin, zertifiziertes Gold zu verwenden, das nach höheren Umwelt- und Sozialstandards produziert worden ist.