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Spielen & Basteln

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Foto: © iStockphoto.com / Issaurinko

„Fair play“ ist ein Begriff, den wir vorrangig mit Sport in Verbindung bringen, nicht mit Kinderspielzeug. Dabei wäre gerade bei der Spielzeugherstellung das Einhalten der Spielregeln besonders wichtig. Auch im Industriezeitalter ist diese nach wie vor sehr arbeitsintensiv, d.h. auf Handarbeit kann nicht verzichtet werden. Um die Kosten möglichst niedrig zu halten, lassen viele Hersteller ihre Produkte in Billiglohnländern Asiens produzieren. Insbesondere China, das 70 bis 80 Prozent des weltweiten Spielzeugs herstellt, aber auch Thailand, Malaysia und Indonesien sind hier zu nennen. Das schnelle Wachstum der asiatischen Spielwarenindustrie geht dabei oft auf Kosten der zum Großteil jungen Fabrikarbeiterinnen und –arbeiter. Zentrale Probleme der asiatischen und hier vor allem der chinesischen Spielzeugindustrie sind überlange Arbeitszeiten, besonders während der Hochsaison (Mai bis September), die Zahlung der gesetzlichen Mindestlöhne, die Verweigerung gesetzlich vorgeschriebener Sozialleistungen, die Unterdrückung freier Arbeitnehmerinteressenvertretung und viele Aspekte von Arbeitssicherheit-, -gesundheit und der Unterbringung der Beschäftigten. So berichtet eine chinesische Arbeiterin einer Spielzeugfabrik: „Das Hauptproblem ist die Erschöpfung. Wenn du tage- und nächtelang arbeitest, werden deine Schultern steif und beginnen zu schmerzen. Wir haben nur sehr wenig Zeit, um uns zu erholen. Sicherheit und Gesundheitsschutz sind mir ziemlich egal. Ich weiß gar nicht, was das bedeutet.“ (Südwind Agentur, 2007)

Nachdem 1993 bei Bränden in Spielzeugfabriken in Thailand und China mehr als 250 Menschen ums Leben kamen, wurde die Öffentlichkeit auf die Arbeitsbedingungen in den Fabriken aufmerksam. Es kam zu internationalen Kampagnen und Protesten gegen die prekären Arbeitsbedingungen. Eine dieser Kampagnen ist „Fair spielt – für faire Spielregeln in der Spielzeugproduktion“, die 1999 in Deutschland initiiert wurde.

2001 einigten sich die großen Spielzeugindustrieverbände, die im International Council of Toy Industries (ICTI, Internationaler Rat der Spielzeugindustrie) zusammengeschlossen sind, nach langen Diskussionen auf einen gemeinsamen Verhaltenskodex, der zum globalen Sozialstandard der Branche werden soll. Bisher haben nur wenige (deutsche) Firmen mit der Umsetzung des ICTI-Kodexes begonnen. Dabei werden besonders die unabhängigen Überprüfungen der Produzenten nicht gern gesehen oder sogar behindert.

Nach dem millionenfachen Rückruf von gesundheitsgefährdendem und umweltschädlichem Kinderspielzeug im Jahr 2007 droht nun vielen chinesischen Fabriken die Pleite. So haben sich allein die Kosten zur Qualitätsprüfung seit dem Skandal versechsfacht. Es bleibt zu hoffen, dass bei dem in Gang gekommenen Umstrukturierungsprozess auch die Umsetzung globaler Sozialstandards in der Produktion in Zukunft stärker Berücksichtigung finden wird.


Tipps für den Einkauf von fairem Spielzeug:

  • Faire Entwicklungs- und Hilfsprojekte verfolgen das Ziel, die Bevölkerung von Entwicklungsländern finanziell, materiell und ideell zu unterstützen, um ihnen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Über bessere Vermarktung der von ihnen hergestellten Produkte, über langjährige Abnahmeverträge bzw. Kooperationsverträge erhalten die Menschen eine langfristige Sicherheit. Faire Bezahlung der Produzenten bedeutet Löhne über den durchschnittlichen Mindestlohn und Produktpreise über dem marktüblichen Preis. Spielzeug, das in fairen Projekten hergestellt wird, finden Sie z.B. in Weltläden, den gepa-Handelszentren, den Dritte-Welt-Shops, El Puente oder dem Damian TEAM Eine Welt Versand. 
  • Hilfestellung auf der Suche nach fair produziertem und gehandeltem Spielzeug bietet auch die STIFTUNG WARENTEST, die in ihren Tests immer wieder auch auf sozial gerechte und faire Produktionsbedingungen achtet und diese – wo es möglich ist – bewertet. 
  • Auf der Website der Aktion „fair spielt“ wird eine Firmenübersicht veröffentlicht, die darstellt, wie der ICTI-Verhaltenskodex von deutschen Spielzeugherstellern und deren Lieferanten umgesetzt wird.