Büro & Schreibwaren

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Foto: © iStockphoto.com / SilviaJansen

Papier ist geduldig, sagt der Volksmund. Doch das gilt leider nicht für die Umwelt, die durch unseren Papierverbrauch stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Papierindustrie gehört laut Worldwatch Institute (WWI) zu den weltweit größten Verursachern von Umweltproblemen.

Im Jahr 2007 lag der Verbrauch von Papier, Pappe und Karton in Deutschland bei 256 kg pro Einwohner und damit bei einem Gesamtverbrauch von 21,1 Millionen Tonnen. Obwohl der Eintritt in das IT-Zeitalter das papierlose Büro in Aussicht stellt(e), ist der weltweite Papierverbrauch jährlich stark gestiegen. Zirka 50 Seiten druckt der durchschnittliche Angestellte eines Unternehmens täglich aus.

In Deutschland ist derzeit nicht einmal jedes zweite verbrauchte Papier aus Recyclingfasern. Um die Wälder zu schonen und die Ausbreitung von Zellstoffplantagen einzudämmen, sollte der Primärfaseranteil im deutschen Papierverbrauch auf 20 bis 30 Prozent reduziert werden. Eine Altpapiereinsatzrate von 70 Prozent wäre nach derzeitigem Stand der Technik für einen langfristig funktionierenden Recyclingkreislauf ausreichend. In der deutschen Papierherstellung liegt diese zwar bei 65 Prozent, berücksichtigt man jedoch auch die Papierimporte (die die einen höheren Primärfaseranteil besitzen), so fällt die Altpapiereinsatzrate für den Verbrauch auf zirka 50 Prozent.

Schätzungsweise 47 Prozent des weltweit geernteten Holzes gehen als Holz- oder Zellstoff in die Produktion von Papier, Pappe und ähnlichen Produkten. In Deutschland werden nur sechs Prozent des Zellstoffbedarfs aus heimischen Wäldern gedeckt, insgesamt stammen die genutzten Rohstoffe aus 130 Ländern. Besonders betroffen sind die borealen Urwälder im Norden Kanadas, Alaskas, Skandinaviens und Russlands, aus denen etwa 15 Prozent des weltweit produzierten Zellstoffs kommen, sowie die tropischen Urwälder in Asien und Lateinamerika, die Rohstoffe für weitere 10 bis 20 Prozent des Zellstoffs liefern.

Kahlschlag für den Papiertiger

Häufig werden die Jahrtausende alten Urwälder durch Kahlschlag geerntet, der Lebensraum zahlreicher Pflanzen, Tiere und Menschen geht verloren. Doch nicht nur die aktuelle Zerstörung von (Ur-)Wäldern wirft Umweltprobleme auf. In vielen Ländern, wie Brasilien, Schweden, Norwegen, Portugal, Spanien, Österreich und der Schweiz, wird das Holz für die Papierproduktion aus Wirtschaftsforsten oder Plantagenwirtschaft gewonnen. Die naturfernen Monokulturen bieten für Tiere und Pflanzen keinen Lebensraum und gefährden damit die biologische Vielfalt. Die Pflanzung von Plantagen sowie der damit verbundene Einsatz von Pestiziden und Düngern führen zu einer Auslaugung der Böden und der Beschleunigung der Bodenerosion. Neben dem hohen Wasserverbrauch, der in trockenen Regionen wie Südafrika oder Spanien zu gravierenden Problemen führen kann, zieht die Bewirtschaftung der Plantagen häufig eine Kontaminierung des Trinkwassers mit Pestiziden und Düngern nach sich. 

Für die Papierherstellung werden außerdem große Mengen an Energie und Wasser benötigt. So werden bei der Verarbeitung von einer Tonne frischen Zellstoffs 115 Kubikmeter Wasser und 3.300 Kilowattstunden Strom verbraucht. Für die Verarbeitung von einer Tonne Altpapierrohstoff werden hingegen nur 16 Kubikmeter Wasser und 1.300 Kilowattstunden Strom benötigt. Die Nutzung von Recyclingpapier ist also für die Umwelt deutlich besser.

Chemiekeule Chlorbleiche

Um für grafische Papiere geeignet zu sein, muss Zellstoff gebleicht werden. Früher wurde dafür elementares Chlor verwendet, das sehr reaktionsfreudig ist. Dabei bilden sich chlororganische Verbindungen, zu denen auch die Dioxine gehören. Diese Stoffe sind nur schwer abbaubar, reichern sich in der Nahrungskette an und schädigen Nerven, Leber und Nieren. Weltweit wird bei 20 Prozent des erzeugten Zellstoffs nach wie vor elementares Chlor zur Bleiche eingesetzt. In Deutschland und anderen Staaten wird seit den 1980er Jahren nicht mehr mit elementarem Chlor gebleicht und stattdessen Chlordioxid (ECF-Bleiche) oder Sauerstoff und seine Verbindungen (TCF-Bleiche) eingesetzt. Doch auch diese Verfahren kommen nicht ohne eine Beeinträchtigung der Umwelt aus. Bei der ECF-Bleiche entsteht pro Tonne produziertem Zellstoff zirka ein Kilogramm absorbierbare halogenhaltige Verbindungen (AOX). Auf diesem Weg gelangt auch das Braunalgen-schädigende Chlorat in die Umwelt. Eine Reduktion der AOX-Werte gelingt nur durch den Einsatz von Komplexbildnern, d.h. Verbindungen, die Metallionen binden. Diese können ihrerseits nur schwer aus dem Wasser entfernt werden. Dafür lösen sie Schwermetalle aus dem Boden, die so auch in das Trinkwasser gelangen können. Wird bei der TCF-Bleiche das sogenannte Sulfatverfahren eingesetzt, müssen auch hier Komplexbildner eingesetzt werden, um Schwermetalle aus dem Zellstoff zu entfernen. Die in Deutschland häufig zu findende Formulierung „Chlorfrei gebleicht“ ist übrigens sowohl für ECF- als auch für TCF-gebleichtes Papier zulässig. 


Tipps für Ihre umweltfreundlichen Schreibwaren:

  • Entsorgen Sie das Altpapier entweder in der Altpapiertonne oder informieren Sie sich auf der Seite www.papierbank.de über Klein- und Großsammelstellen, die in Ihrer Nähe – ggf. gegen ein kleines Entgelt – das Altpapier entgegen nehmen. So wird das Niveau des Altpapierrecyclings gehalten oder sogar verbessert.
  • Benutzen Sie Recyclingpapier: Es ist aus Umweltschutzsicht die erste Wahl. Das gilt nicht nur für die graphischen Papiere. Auch viele andere Papierprodukte, wie Taschentücher, Kartons und Toilettenpapier gibt es mittlerweile aus Recyclingpapier. Bei der Wahl des richtigen Papiers ist das Umweltzeichen „Blauer Engel“ ein verlässlicher Wegweiser.
  • Papier mit dem FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) kennzeichnet Papiererzeugnisse, die (zu einem bestimmten Prozentsatz) aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammen – dazu gehören nachhaltig bewirtschaftete Wälder und Holzplantagen. In die Kriterien des FSC-Siegels fließen neben dem Schutz des Waldes auch die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Waldbewirtschaftung. Das Zertifikat stellt allerdings nur die Herkunft des Holzes sicher und bezieht sich z.B. nicht auf die ökologische Qualität des Endprodukts. Das Label FSC Mix ist nur eingeschränkt empfehlenswert, da auch Holz zugelassen ist, das zwar aus kontrollierter Waldwirtschaft stammen soll, jedoch nicht durch externe Prüfer kontrolliert wird. Zudem stellt das Zeichen nur die Herkunft des Holzes sicher und bezieht sich z.B. nicht auf die ökologische Qualität des Endprodukts. Weiterhin wird zwar aus dem Zeichen erkenntlich, dass neben FSC-Holz auch anderes Holz zum Einsatz gekommen ist. Der prozentuale Anteil des FSC-Holzes am Endprodukt wird jedoch nicht ersichtlich. Auch das Zeichen „FSC Recycling“ ist nur eingeschränkt empfehlenswert. Es stellt lediglich sicher, dass das genutzte Material nicht aus Frisch- sondern aus Recyclingholzfasern gewonnen wurde. Es bezieht sich z.B. nicht auf die ökologische Qualität des Endprodukts.

Papier sparen im Büro:

  • Drucken Sie nicht alles aus dem Internet sofort aus, sondern speichern Sie die Texte und Daten erst einmal auf dem PC und versuchen Sie, so viel wie möglich am Bildschirm zu lesen.
  • Kopieren Sie, so oft es geht, doppelseitig oder nutzen Sie einseitig beschriebenes oder bedrucktes Papier als Skizzen- oder Schmierpapier.
  • Verkleinern Sie Vorlagen und bringen Sie so ein Mehrfaches an Text auf der gleichen Papiermenge unter.
  • Schreiben Sie Blöcke und Hefte möglichst voll und werfen Sie diese nicht vorher weg.
  • Verschicken Sie Ihre Post, wenn möglich, per E-Mail.
  • Leihen Sie Bücher nach Möglichkeit aus und/oder kaufen und verkaufen Sie diese  im Antiquariat oder auf dem Flohmarkt.
  • Wählen Sie beim Drucken dünneres Papier, z.B. statt 80 g/m² nur 65 g/m².

Papier sparen im Haushalt:

  • Ersetzen Sie, wo es geht, Papier durch langlebige Produkte, z.B. Servietten, Taschentücher, Tischdecken, Kaffee- bzw. Teedauerfilter, Pergamentpapier durch Brotdosen und Einkaufstüten durch Einkaufsbeutel.
  • Vermeiden Sie Getränkekartons, die immerhin zum größten Teil aus Papier bestehen. Zudem sind diese als Verbundmaterial nur schwer zu recyceln. Kaufen Sie lieber Mehrwegflaschen oder benutzen Sie einen Soda-Sprudler. 
  • Verpacken Sie Ihre Geschenke lieber in Zeitungspapier als in bunt bedrucktem Geschenkpapier, das danach meist sowieso im Abfall landet. 
  • Bringen Sie an Ihren Briefkasten „Keine-Werbung-Aufkleber“ oder tragen Sie sich in sogenannte „Robinson-Listen“ ein, die dafür sorgen, dass Sie gar nicht erst mit Werbung beschickt werden. 
  • Teilen Sie sich mit ihren Nachbarn, Freunden etc. das Abonnement einer Zeitung oder Zeitschrift. Von den meisten Zeitungen gibt es mittlerweile auch eine Online-Version.