17. Januar 2011

Kleinstaaterei beenden!

(VI). Der jüngste der immer wiederkehrenden Dioxin-Skandale zwingt die politisch wie wirtschaftlich Verantwortlichen, die Kontroll- und Kommunikationssysteme kritisch zu betrachten. Die VERBRAUCHER INITIATIVE e.V. begrüßt die Forderung der Bundeslandwirtschaftsministerin, dem Bund mehr Kontrolle über die föderal organisierte Lebensmittelüberwachung zu verschaffen.

„Die Folgen von kriminellem oder nachlässigem Handeln in der Lebensmittelkette tragen regelmäßig Landwirte und Verbraucher in ganz Deutschland. Dennoch kocht nach wie vor jedes Bundesland - und in der Hauptstadt sogar jeder Bezirk - sein eigenes Kontroll-Süppchen,“ fasst Laura Gross, die wesentliche Schwäche des deutschen Systems der Lebensmittelüberwachung zusammen. „Es ist längst an der Zeit, dass die Kontrollpraxis der Länder auf Bundesebene kontrolliert und notfalls sanktioniert werden kann“, so die Ernährungsreferentin der VERBRAUCHER INITIATIVE weiter. Offenbar ist erst ein solcher Druck nötig, um die Länder dazu zu bewegen, ihre Lebensmittelüberwachungsämter finanziell und personell so auszustatten, wie es in einem komplexen und fehleranfälligen System wie der Lebensmittelherstellung und -vermarktung angemessen wäre.

Der aktuelle Dioxin-Skandal zeigt auch, dass Eigenkontrollsysteme kein Ersatz für unabhängige staatliche Kontrollen sein können. Futtermittelhersteller, Schlachthöfe, Eiervermarkter und die Handelsunternehmen hätten die verdächtigen Dioxinwerte ebenfalls feststellen und so verhindern können, dass belastete Lebensmittel zu den Verbrauchern gelangen. „Wer sich in seiner Kontrollpraxis auf Risikoorientierung beruft, sollte besonders sensibel auf Hinweise reagieren und entsprechend handeln“, so Laura Gross. Dass nach Bekanntwerden der Dioxin-Belastung in Futterfetten noch belastetes Fleisch und Eier in den Handel gelangten, zeigt deutlich, dass es auf allen Ebenen an Aufmerksamkeit mangelte.

Verbraucher brauchen jetzt keine Personaldebatten, sondern entschlossenes Handeln. Statt sich in Zuständigkeitskämpfen zu verlieren, müssen die Länderagrarminister jetzt zu einer gemeinsamen Linie finden und konsequent für sie einstehen. Zusätzlich gilt es, Verbraucher verlässlich und umfassend zu informieren. Die VERBRAUCHER INITIATIVE fordert daher zusätzlich zur Veröffentlichung der Eier-Codes auch Informationen darüber, in welchen Produkten belastete Eier und belastetes Fleisch weiter verarbeitet wurden.