05. Januar 2011

Verbrauchermacht nutzen

(VI). Die aktuelle Diskussion um dioxin-verseuchte Futtermittel wirft ein grelles Licht darauf, wie komplex und damit fehleranfällig die Produktion sicherer, hochwertiger Lebensmittel ist. Es wird deutlich, dass technischer Fortschritt und gute Logistik kein Ersatz für verantwortungsvolles Handeln sind und Verantwortungslosigkeit auf jeder Produktionsstufe fatale Folgen für alle nachgelagerten Betriebe hat.

Bei der Suche nach den Ursachen für den erneuten Fall von Futtermittel-Schlamperei wird auch der Vorwurf laut, Endverbraucher seien durch ihr Einkaufsverhalten mitverantwortlich für die Missstände in der Lebensmittelindustrie. Der Bundesverband kritischer Verbraucherinnen und Verbraucher hält das für falsch. "Die Verantwortung dafür, bestehende Gesetze einzuhalten, schädliche Stoffe aus der Lebensmittelkette zu verbannen und wirksame Eigenkontrollsysteme zu installieren, liegt allein auf Seiten der Unternehmen. Auch in einem schwierigen Markt gibt es Alternativen zu kriminellem und unethischem Verhalten“, so Laura Gross, Ernährungsreferentin der VERBRAUCHER INITIATIVE.

Verbraucher können mit ihren Kaufentscheidungen allerhand bewegen und tatsächlich auch ihre Erwartungen an die Lebensmittelproduzenten deutlich machen. Es ist kein Zufall, dass Bio-Eier und Bio-Fleisch derzeit nicht ungesetzlich dioxin-belastet sind. „In der ökologischen Lebensmittelproduktion gelten strengere, tiergerechtere Regeln für die Herstellung von Futtermitteln“, erläutert die Ernährungswissenschaftlerin. Auch wenn von Eiern und Fleisch im aktuellen Fall keine konkrete Gesundheitsgefahr ausgeht, sollten die Zustände doch zu denken geben. Wer weniger oft Eier, Fleisch und Produkte daraus kauft, hat mehr Spielraum, um zu ökologisch erzeugter Ware zu greifen und diese dann bewusst zu genießen.