07. Mrz 2012

"Wir wollen die Märkte in Deutschland öffnen"

Interview mit Dieter Overath von Transfair auf www. oeko-fair.de

Kunden schätzen Produkte, zu denen sie einen persönlichen Bezug herstellen können - und genau das bietet der Faire Handel. Das sagt Dieter Overath, Geschäftsführer von Transfair, zum 20-jährigen Jubiläum seines Vereins im Interview auf www.oeko-fair.de. Und räumt gleichzeitig ein, dass es noch viel zu tun gibt, bis Produkte aus dem Fairen Handel ähnlich stark nachgefragt werden wie Bio-Waren.

Wer Kaffee, Schokolade oder andere Dinge aus dem Fairen Handel kauft, erfährt ohne viel Aufwand, wo und in welcher Kooperative die dafür verwendeten Rohstoffe produziert wurden. Für Dieter Overath ein klares Plus. Denn die Informationen heben die Produkte aus der Anonymität der Massenwaren heraus und verschaffen ihnen so einen Vorteil auf dem hart umkämpften Lebensmittelmarkt, meint der Geschäftsführer von Transfair. Allerdings klafft seiner Ansicht nach bei den Konsumenten „noch eine deutliche Lücke zwischen Wollen und Handeln“. Für die kommenden Jahre hat er sich daher deutliche Absatzsteigerungen vorgenommen: „Wir arbeiten an einer Zukunftsvision: Einem Marktanteil von Fairtrade-Produkten bei zehn Prozent“, so Overath.

In kaum einem Land haben es fair gehandelte Produkte so schwer wie in Deutschland, meint Overath. Einen großen Teil der Verantwortung trägt dabei seiner Ansicht nach der Handel: „Aldi und Lidl haben ihre Kunden zur Schnäppchenjägerei erzogen.“ Deshalb seien vor allem die Discounter auch lange Zeit nicht bereit gewesen, beispielsweise Kaffee für fünf Euro zu verkaufen. Inzwischen ändere sich diese Haltung aber: „Der Handel ist bereit, auch höherwertige Themen zu besetzen“, sagt der Transfair-Gründer.

Overath kritisiert im Interview den Versuch der Lebensmittelhersteller, Sozialsiegel gegeneinander auszuspielen. Dass viele Unternehmen ihre Waren zunehmend mit einem utz- oder Rain Forest Alliance- statt dem Fairtrade-Logo versehen, hängt seiner Ansicht nach mit den geringeren Kosten für diese Siegel zusammen. „Nur die Einhaltung von Standards verlangen, dafür aber nicht bezahlen wollen, funktioniert nicht“, meint Overath.

Insgesamt weist der Transfair-Geschäftsführer auf die zunehmende Professionalisierung im Fairtrade-Bereich hin. Bei Fairtrade Deutschland gebe es inzwischen Mitarbeiter aus der Industrie mit einem klaren unternehmerischen Denken. Gemeinsam arbeiteten sie daran, die Produzenten aus den Ländern des Südens für den Weltmarkt zu stärken. „Die Aufgabe von Transfair ist es, die Märkte in Deutschland zu öffnen“, so Overath.

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